Ein Interview mit Herrn Dr. Erich Bracher

 

 

Bestimmt kennt Ihr alle das Bild von Dr. Bracher, das im Eingangsbereich der Schule hängt, und wer schon mal auf der Schulhomepage vorbeigesurft ist, ist vielleicht sogar auf seinen  Lebenslauf getroffen.

Aber wer ist Dr. Bracher wirklich? Wie fühlt man sich, wenn man Namensgeber einer Schule ist? Diese Fragen und noch einige mehr haben wir am 22.05.2007 - stellvertretend für alle Schülerinnen und Schüler - Herrn Dr. Bracher persönlich gestellt und interessante Antworten bekommen. Wir können alle stolz sein, dass unsere Schule den Namen dieser Persönlichkeit trägt.

Aber lest selbst:

 

Dr. Erich Bracher wurde 1925 als eines von 6 Kindern in Stuttgart geboren. Ein echter Schwabe also, der sich am vergangenen Wochenende mit dem VfB gefreut hat. Nach dem Abitur am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart wurde er 1943 zum Militäreinsatz gerufen.

Als der Krieg zu Ende war, unterrichtete er ein Jahr lang - als Klassenlehrer ohne jegliche Ausbildung - zwei Schulklassen, zu denen er heute noch Kontakt hat.

Nach seinem Studium der Klassischen Philologie, Volkswirtschaft und Jura, trat er 1954 in das Filterwerk Mann+Hummel GmbH in Ludwigsburg ein und war dort bis zu seinem Ruhestand 1989 tätig. Schon früh stieg er in die Geschäftsleitung auf, seit 1959 als Geschäftsführer und ab 1967 als Sprecher und Vorsitzender der Geschäftsführung. Zeitlebens lagen ihm die sozialen Belange der Mitarbeiter am Herzen, und er engagierte sich stark für die Ausbildung von Jugendlichen.

 

Was bedeutet es für Sie, Namensgeber unserer Schule zu sein, und was hat sich dadurch für Sie verändert?

 

Als Namensgeber hat man offenbar eine noch lebende Persönlichkeit der Region gesucht, die der beruflichen Ausbildung nahe steht. Dass die Wahl gerade auf mich fiel, hat mich verwundert. Aber nach anfänglichem Zögern hat es mich dann doch gereizt, auf diese Weise dem pädagogischen Feld nahe zu bleiben, denn eine innere Neigung zu ihm ist mir schon in die Wiege mitgegeben worden: Großvater, Vater und Mutter waren Lehrer/in und die Ausbildung Jugendlicher lag mir im Rahmen meiner Tätigkeit im Betrieb und für Institutionen wie der Industrie- und Handelskammer und dem Baden-Württembergischen Bildungswerk stets am Herzen. Mittlerweile bin ich richtig stolz darauf, dass gerade diese Berufsschule meinen Namen trägt. Ich freue mich, wenn ich hier in dem schönen Gebäude die lebendige und nette Atmosphäre und den Elan in der Schule erlebe. Für mich ist diese Berufsschule „ein Glücksfall für die Region Ludwigsburg“.

 

Warum haben Sie sich insbesondere für die Ausbildung von Jugendlichen eingesetzt?

 

Weil es mir wie schon erwähnt irgendwie im Blut liegt. Der Kontakt mit Jugendlichen und deren praxisnahe Ausbildung waren für mich eine willkommene Ergänzung und Abwechslung zu meiner sonstigen Arbeit. Außerdem lehrt die Erfahrung, dass von einem selbst Mitausgebildete in aller Regel besonders zuverlässige und motivierte Mitarbeiter werden.

 

Welches Erlebnis hat Sie in Ihrem Leben besonders geprägt?

 

Der Heiratsantrag, den ich meiner Frau gemacht habe, und am meisten, dass sie „ja“ gesagt hat. Nun bin ich schon fast 60 Jahre mit ihr verheiratet und wir haben vier erwachsene Kinder. Ohne ihre Hilfe und ohne ihr Verständnis hätte ich das alles nicht geschafft!

 

Gibt es etwas, das Sie der Jugend von heute mit auf den Weg geben wollen?

 

Die Jugendlichen sollten sich persönlich einbringen und für sich – aber auch für andere -  etwas bewegen wollen. Und sie sollten sich bei alller Ungezwungenheit ihres Alters so ins Zeug legen, dass sie Spaß und Selbstsicherheit in ihrer Berufsarbeit haben.

Es gibt einen Spruch von Goethe, der da heißt: „Jeder ist seines Glückes Schmied!“ Da ist viel Wahres daran. Nur ganz wenigen fällt Glück im Leben und im Beruf ohne eigenes Bemühen zu. Die anderen müssen und können ihrem Glück auf die Sprünge helfen, wenn sie sich Ziele setzen und sich ernsthaft bemühen, diese zu erreichen.

Und noch eines: Weil heute alles noch schneller geht als früher und dadurch Vieles unsicherer geworden ist, sind stabile menschliche Beziehungen – innerhalb der Familie, in der Partnerschaft, zu Freunden – gerade für junge Menschen wichtiger denn je.

 

Haben Sie ein Lebensmotto?

 

Wenn ich zurückblicke, dann gab es für mich vor allem zwei Lebensmottos. Das eine galt für den ersten Lebensabschnitt, könnte auf lateinisch „attempto“ lauten und bedeutet  so viel wie „ich wag`s“ oder auf schwäbisch „i gang`s o“. Im zweiten Lebensabschnitt, in dem ich in verantwortlicher Position war, galt für mich dann eher das Motto: „Was immer du tust, überleg`s Dir genau und bedenke alle möglichen Auswirkungen!“

 

Wir danken Herrn Dr. Bracher herzlich, dass er sich für uns Zeit nahm und uns engagiert, humorvoll und bereitwillig Auskunft erteilte. Weiterhin wünschen wir ihm, dass es ihm noch oft gelingt bei bester Gesundheit und herzlicher Offenheit, „den Funken überspringen zu lassen“. 

 

Simone Uerkvitz

Ernestine Henger

(W2BK3X)