„Die Erbschaft“ - Séance, Schwindel und Schwestern-Streit

„Die Erbschaft“ - Séance, Schwindel und Schwestern-Streit

Auf der Bühne versammelt sich eine Trauergemeinde. Thomas Tannenberg (Dennis Nadler) ist gestorben – zumindest glaubt das zunächst jeder. Groll soll vergeben, Frieden gefunden werden. Doch kaum haben die drei Töchter – die ausgeglichene Jenny (Jenny Nadler), die chronisch missgelaunte Diana (Diana Hauser) und die spirituell veranlagte Lena (Lena Espana-Ziegler) – nacheinander Blumen am Sarg niedergelegt und mal mehr, mal weniger verbitterte Worte des Abschieds gesprochen oder inbrünstig gebetet, brechen die ersten Risse in der Familie auf. Was als Trauerfeier beginnt, entpuppt sich rasch als Pulverfass – und die Zündschnur ist, wie so oft, das liebe Geld.

Noch bevor der anschließende Leichenschmaus richtig in Gang kommt, erscheint Dr. Thadeus Reitenberger (Hanno Schlottke), der Nachlassverwalter, mit einem Stapel Dokumente unter dem Arm und dem dringenden Wunsch nach Unterschriften. Dabei eröffnet den Schwestern eine pikante Klausel: Nur alle drei gemeinsam dürfen das Testament ihres Vaters öffnen.

Für Heiterkeit im Publikum sorgt Lena, die eigens ihre Schamanin mitgebracht hat – die schillernde Madame Seraphina (Emilija Hüber) samt ihrer Assistentin Esmeralda (Elenor Becker). So hält die „Seelenheilkunde" Einzug in die Trauergemeinde, und Seraphina bietet Lena kostbare Heilsteine an – zu Preisen, die selbst hartgesottene Erbschaftsinteressenten erblassen lassen. Als das Kartenlegen beginnt und die Frage gestellt wird, ob Familienfrieden auch ohne den Erwerb der Steine zu erlangen sei, lautet die Antwort der Karten unmissverständlich: Nein. Mit den Steinen hingegen: Ja. Das Geschäft scheint gemacht.

Doch die Esoterik-Runde bekommt unerwartete Konkurrenz: Zwei Mafiosi (Simon Mayer als Johnny und Marcel Iacovangelo als Vito) betreten die Szenerie. Sie sind auf der Suche nach Geld – und erfahren zu ihrer Überraschung, dass Thomas Tannenberg soeben verstorben ist. Ihr eigentliches Ziel ist Dr. Reitenberger, der offenbar erhebliche Spielschulden angehäuft hat und nun erpresst wird.

Währenddessen schlägt Madame Seraphina eine Séance vor, um den eskalierenden Geschwisterstreit zu befrieden: Man wolle den verstorbenen Vater befragen, damit die Töchter ihren Frieden finden. Bedingung: Alle drei müssen mitmachen. Die aufbrausende Diana, die zehn Minuten zu spät zur Testamentseröffnung erschienen und mit ihrer personifizierten Anti-Haltung  der Punk unter den Schwestern ist, braucht dringend Geld für eine Reise nach Südamerika. Nur deshalb lässt sie sich schließlich überreden und nur auch nur, weil Lena sich bereit erklärt, Dianas Anteil von ihrem Erbteil heraus zu bezahlen.

Die Séance beginnt feierlich. Der „Vater" meldet sich mit rührenden Botschaften: Er entschuldigt sich bei Jenny dafür, einst Liebesbriefe ihres weggezogenen Jugendfreundes unterschlagen zu haben. Lena erfährt, er vergebe ihr den kindlichen Diebstahl von Geld, mit dem sie im Schwimmbad Eis kaufte. Und Diana erhält ein ganz besonderes Geschenk: ihren lang verlorenen Teddybären, den die willfährige Esmeralda zuvor im Haus gefunden hatte.

Der Zauber hält jedoch nicht lange. Diana entdeckt Esmeralda hinter einem Vorhang – mit den Tagebüchern aller drei Schwestern in der Hand. Der Schwindel fliegt auf. Lena bricht öffentlich und lautstark mit Seraphina und ihrer Assistentin.

Parallel dazu erlebt das Publikum eine der komischsten Szenen des Abends: Einer der beiden Mafiosi, Johnny – ersichtlich der sensiblere von beiden – bricht beim Kartenlegen in Tränen aus. Die Aussicht auf Geiselnahme, Morddrohungen und die eigene mögliche Opferrolle ist ihm schlicht zu viel.

Unterdessen steigt der Druck auf den Nachlassverwalter. Das Dienstmädchen des Verstorbenen (Maja Thiemann), das noch auf sein ausstehendes Gehalt wartet, macht unmissverständlich klar, dass es weiß, dass etwas faul ist, und besteht auf seiner Bezahlung.

Die Testamentseröffnung gerät zur Farce: Das Erbe ist zu gleichen Teilen aufgeteilt, doch die Töchter müssen sich verpflichten, einmal jährlich zusammenzukommen sowie gemeinsam eine Familientherapie zu absolvieren. Das Dienstmädchen bemerkt als Einzige, dass Dr. Reitenberger beim Vorlesen vom Text abweicht und einen Blankoscheck einschmuggelt, der ihm juristisch unanfechtbare Vollmachten sichern würde. Als dann auch noch klar wird, dass Vermögen gleich null ist, rastet der Ober-Mafiosi Vito – während der Testamentseröffnung inkognito als Malergeselle im Raum – aus und gibt sich und sein Ansinnen preis.

In diesem Moment erscheinen – zur großen Belustigung des Saals – Geister auf der Bühne, die ebenfalls als Schwindel auffliegen. Madame Seraphina und Esmeralda sind nun mal nur semi-erfolgreich mit ihrer Betrugsmasche. Und als die Mafiosi wieder die Oberhand haben und alles auf die große Katastrophe zuzulaufen scheint, betritt ein vermummter Mann die Bühne und schlägt Vito mit einem Besenstiel nieder. Es ist – Thomas Tannenberg.

Ein Schnitt. Videocall. Diana ist bereits in Südamerika. Die Auflösung folgt: Thomas Tannenberg hat seinen Tod vorgetäuscht, um seinen Schulden bei der Mafia zu entkommen. Ein neugieriger Nachbar hat die Polizei gerufen – Mafiosi und Vater landen gemeinsam hinter Gittern. Aus dem Gefängnis schickt der Vater einen Brief mit einem Hinweis auf einen versteckten Schatz. In Dianas Teddybären findet die Besitzerin eine Notiz zum Versteck des wahren Erbes.

Im Abspann – als kleine Pointe – werden dem sensiblen Mafioso Johnny die Karten gelegt.

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