Konkrete Poesie trifft Jahreslosung – Ein kreativer Kurs an der Erich-Bracher-Schule
Dieses Jahr haben Schülerinnen und Schüler der ersten Jahrgangsstufe im Kurs Evangelische Religionslehre eine besondere künstlerische Ausdrucksform erkundet: die Konkrete Poesie.
Diese auch als visuelle oder typografische Poesie bekannte Kunstform stellt das Erscheinungsbild des Textes in den Mittelpunkt. Wörter, Buchstaben, Zeichen und Leerraum werden nicht nur gelesen, sondern auch gesehen – ihre räumliche Anordnung und grafische Gestaltung sind mindestens ebenso bedeutsam wie der sprachliche Inhalt. Ungewöhnliche Typografie, zu Bildern geformte Wörter, unkonventionelle Wortkombinationen und grafische Elemente sind typische Merkmale dieser faszinierenden Gattung, die die Grenzen zwischen Literatur und bildender Kunst bewusst verwischt.
Als inhaltliche Grundlage diente den Schülerinnen und Schülern die Jahreslosung – jener prägnante Bibelvers, den die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen jährlich auswählt, um Christinnen und Christen als geistlichen Leitgedanken durch das Jahr zu begleiten. Trost, Hoffnung und Orientierung – das sind die Botschaften, die eine Jahreslosung tragen soll.
Konkret arbeiteten die Jugendlichen mit Offenbarung 21,5, einem Vers voller Verheißung und Erneuerung. Dabei konnten sie sowohl auf eigene Assoziationen zurückgreifen als auch auf eine eigens bereitgestellte Auslegung von M. Grauer und M. Rumm, die dem Vers neue Deutungsebenen eröffnete.
Das Ergebnis war beeindruckend vielfältig: Die Schülerinnen und Schüler gestalteten ihre ganz persönlichen Werke der Konkreten Poesie – mal mit sparsamen Mitteln, mal reich an bildlichen Elementen, die den Worten zusätzliche Bedeutung verliehen. Jedes Werk erzählte auf seine eigene Weise von dem, was der Vers in ihnen ausgelöst hatte.
Das Projekt verband auf gelungene Weise religiöse Reflexion mit künstlerischem Ausdruck und zeigte eindrucksvoll, wie ein Bibelvers nicht nur gedacht, sondern auch gestaltet, geformt und sichtbar gemacht werden kann. Die Schülerinnen und Schüler bewiesen dabei nicht nur Kreativität, sondern auch die Bereitschaft, sich ernsthaft mit einem theologischen Text auseinanderzusetzen – und ihm eine ganz eigene, sichtbare Stimme zu geben.
